Josef Moroder Lusenberg

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Markus Vallazza

Wien, Juli 1995

Vor 56 Jahren ist Josef Moroder (im Volksmund bera Sepl da Jumbiërch, auch der Lusenbergergenannt) 93jährig gestorben. Seither ist vom unzweifelhaft bekanntesten ladinischen Maler die in der Sparkasse gezeigte Werkschau, die dritte nach Innsbruck (1973) und Bozen (1985), die ihn - zweckentsprechend für den Sparkassen-Kunstkalender - auszugsweise der Öffentlichkeit präsentiert. Lusenbergs enorme Schaffenskraft hat sich namlich auf vielfältige Weise in unzähligen Werken niedergeschlagen. Mein lang gehegter Wunsch, ihn so vollständig wie möglich vorgestellt zu sehen, ist deshalb, ungeachtet dieser unbestritten repräsentativen Sonderschau, welche dank der Sparkasse ermöglicht wurde, wieder nur teilweise in Erfüllung gegangen. Ob dieser dritte Anlaß (mit begleitendem Katalog und Jahreskalender) erneut als Aufforderung und Ansporn für ein längst fälliges Versäumnis verstanden wird, bleibt also weiterhin offen.

Die Auswahl der gezeigten Gemälde kann gewissermaßen nur einige Aspekte beleuchten, die Lusenbergs Schaffen ausmachen. Immerhin weist die Palette chronologisch vom zeitdokumentarischen Genre-Bild über die Landschaftsmalerei zu einigen beachtlichen Portraits und einigen gänzlich seine persönliche Handschrift tragenden "Highlights" hin, die schlußendlich von einigen meisterhaften Ölgemälden und Aquarellen gekrönt werden.

in Edgar Moroders Sippenstudie "Die Moroder" steht unter anderen biographischen Notizen eine aufschlußreiche Episode zu lesen, worin der bekannte Maler Franz von Defregger von einer Kopie nach seinem Monumentalgemälde "Andreas Hofers letzter Gang", die er dem Lusenberger in Auftrag gegeben, gesagt haben soll, sie sei besser als das Original, womit der ehemalige Topstar von Tyrolensien die Vorzüge seines zeitweilig zu hörigen Schülers auf den Punkt brachte. In der Tat war er, wie mir scheint, seinem Lehrer in einigen Aspekten voraus, zumindest in einer differenzierteren und psychologisch analytischeren Durchdringung der jeweils behandelten Suiets. Mit einem Wort, er hat ihn künstlerisch übertroffen. Auch Josef Gasteiger (ein Kenner seiner Kunst) befand in seinem Vorwort zur Bozner Ausstellung folgerichtig: "Moroder-Lusenberg bleibt jeder Attitüde und theatralisch genrehaften Zurschaustellung abhold und der alltäglichen Wirklichkeit zugewandt". Defreggers zuweilen geschmäcklerisch bis populistisch orientierte lkonographie und die zu glatte Oberflächenbehandlung sprechen offensichtlich ein breiteres Publikum an als Lusenbergs herbere Malart, weshalb Defregger heute noch in der Kunstrezeption vor ihm rangiert.

Eigentlich bin ich in Lusenbergs Bilderwelt aufgewachsen. Allerdings anhand einer relativ bescheidenen Auswahl und mit nicht sonderlich repräsentativen Stücken, die einige Wände meines Elternhauses schmückten. Die notorische Samrnlerleidenschaft meines Vaters (der vorrangig antikes Mobiliar, alte Waffen und sonstigen Altväterhausrat erhamstert hatte), übertrug sich in verstärktem Maße auf meinen Stiefbruder Adolf, der, meines Wissens, gegenwärtig die wohl bedeutendste und umfangreichste Lusenberger-Sarnmlung in langjähriger und mühevoller Arbeit zusammengetragen und mit musealer Akribie seinem "Lusenberger-Kabinett" einverleibt hat. Ein Großteil der in der Sparkasse und im Katalog gezeigten Gemälde stammen aus dessen Fundus.

Vor diesen (zum Teil in authentischen Lusenberger-Rahmen gekleideten) Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen standen wir oftmals gemeinsam in Bewunderung versunken. Aber nichtdestoweniger darüber erstaunt, wie ein Künstler in einem von der Außenwelt völlig isolierten Tal sich so exemplarisch hatte entfalten können. Gleichsam standen wir rätselratend vor der Tatsache, wieso ein für unsere Begriffe so bedeutender Maler von der Öffentlichkeit völlig in Vergessenheit geraten konnte. Wir gedachten dabei anderer Maler aus seiner Zeit und Umgebung, denen in- und ausländische Museen Tür und Tor geöffnet hielten. In diesem Zusammenhang stellte sich uns wiederholt die Frage, ob die von der Außenwelt völlig isolierte Talschaft (Tourismus ausgenommen) nicht doch der Grund war und ist, warum der Lusenberger immer noch ein Schattendasein fristen muß?

Wie dem auch sei, uns forderte dieser so untypische Grödner-Künstler weiterhin Achtung und Bewunderung ab, auch dann noch, als wir uns mit der Kunst derjahrhundertwende, gewissermaßen mit der damaligen Avantgarde bis zur mittlerweile schon wieder ausklingenden Postmoderne, auseinandersetzten. Im Zusammenhang erinnere ich mich auch an meinen anderen Stiefbruder Hermann, der, uns gegenüber, den Lusenberger vor gewissen Kunstströmungen und -moden, die bis in unsere Täler gedrungen waren, vehement verteidigte. In der Tat blieben wir von der revoltierenden Welle der Moderne nicht unberührt, was zur Folge hatte, daß auch wir zeitweilig den Lusenberger als altmodisch, anachronistisch und für längst passé hielten, bis wir nachträglich eines besseren belehrt wurden und ihm weiterhin die Treue hielten.

Das wiedererwachende Interesse an seiner Kunst kann, meines Erachtens, nicht ausschließlich an der restaurativen oder gar reaktionären Geisteshaltung gewisser Kreise dingfest gemacht werden, die volkstümelndes Gedankengut kolportieren und propagieren. Ich glaube in der Annahme nicht fehlzugehen, wenn ich behaupte, daß Inhalte wieder weltweit gefragt sind. Lusenbergs Kunst scheint in diesem Kontext erneut Aktualität zu erlangen. Eines aber kann man mit Sicherheit feststellen: Sie hat alle Zeitströmungen und -moden überlebt. Ihr ist nur immer noch nicht (in Ermangelung einer Koordinierung bzw. Einordnung in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts) jene Aufmerksamkeit widerfahren, die sie längst verdiente.

Josef Moroder - Lusenberg war, strenggenommen, ein Autodidakt trotz zweimaliger Studienaufenthalte in München bei akademischen Malern wie Knabl, Löfftz, Diez und nicht zuletzt bei Franz von Defregger, wobei letzterer eher nachteilig auf seine Kunst gewirkt zu haben scheint. Seine eigentlichen Vorbilder hat er bekanntlich in bayrischen Museen für sich entdeckt, wie es uns etliche seiner Bilder verraten. Mit Sicherheit aber läßt sich nachweisen, daß er Rembrandt und andere holländische Maler wie Van Ostade, Terborch, jan Sten, aber auch Corot, Courbet, Leibl und den frühen Segantini geschätzt und studiert hat. Auch die Frage, was er von der damaligen Avantgarde gedacht bzw. gesagt haben könnte, wäre sicherlich aufschlußreich, bedenkt man, daß er immerhin in einer Zeit gelebt hat, in der bahnbrechende Künstler wie Van Gogh, Cézanne, Picasso, Duchamp, Kandinsky und andere auf den Plan getreten waren. Er aber scheint sich nicht sonderlich darum gekümmert zu haben, kehrte der sogenannten Moderne den Rücken und wandte sich lieber seinen beliebten Heimatmotiven und -sujets zu, die ihm vertrauter waren und die ihm schließlich seine persönliche Malart diktiert hatten. Er blieb gewissermaßen seiner Malerei und sich selbst ein Leben lang treu.

Mein Vater erinnerte sich, daß er ein fleißiger Tagebuchschreiber gewesen sein soll. Ganze Kisten soll es davon gegeben haben, die leider verschollen sind. Es wäre interessant daraus zu erfahren, was er vom Leben, der Kunst, von seinen Landsleuten, seinem Heimatdorf St. Ulrich gedacht und aufgezeichnet hat. Er muß allenfalls ein höchst sonderbarer und eigenwilliger Mensch gewesen sein, der von den geschäftstüchtigen Grödnern, insbesondere von den ihm verhaßten "Verlegern", vermutlich mehr geächtet als geachtet worden ist, nachdem er ihnen aus der Rolle getanzt war. Wir lesen in der bereits zitierten Moroder-Chronik: "Der Lusenberger hatte einen schwierigen Charakter. Wie es oft Künstler sind, war er eigensinnig, egozentrisch und nicht selten mürrisch. Er verfügte über ein ausgeprägtes Selbstbewußtsein und kümmerte sich wenig um die Zuneigung seitens der Gesellschaft. Als ein Sonderling hatte er eine besondere Lebensweise und seine Philosophie, die mit Opportunismus nichts gemeinsam hatte".

Liest man hingegen in Maria Veronika Rubatschers Künstlerbiographie "Der Lusenberger" (einem rührseligen, trivialen bis kitschigen Roman), wird man mit einem "Heimatkünstler" konfrontiert, der so gar nicht in jene Rahmen paßt, aus deren Bildern uns eine eher selbstbewußte und charakterstarke Künstlerpersönlichkeit entgegen tritt. Mein Vater erzählte uns, daß der Lusenberger jedesmal, wenn er der genannten Schriftstellerin ansichtigwurde, sich auf und davon machte, um ihren frivolen Inter-views zu entkommen. Diesem leidlichen Cliché aus besagtem Roman (der mutmaßlicti die Auswahl der im Grödner Museum gezeigten Lusenbergs mitbestimmt zu haben scheint), kann nur dadurch abgeholfen werden, indem vom Künstler endlich ein vollständiges Werkverzeichnis, eine sachkundige Monographie und eine ihm angemessene Plazierung in der Chronik seines Geburtsortes erstellt werden.

Der Lusenberger malte (außer einigen größeren Auftragswerken religiösen Inhalts) vorwiegend Motive und Menschen aus seiner engeren Umgebung: Interieurs, häusliche Szenen mit spielenden Kindern und Katzeii, auch Landschaften, die er auf Wanderwegen oder aus seinem Atelierfenster zujumbi`rch gesichtet hat. Damit vermittelt er uns einen Einblick in seine reale Umwelt, in das Grödnermilieu nach derjahrhundertwende, gewissermaßen in eine physische und psychische Landschaft seiner Zeit. Vorwiegend machte er Jagd auf herumstreunende "Originale" (wovon es mittlerweile nur mehr vereinzelte Exemplare gibt), die er kraft seines Seherauges auf den Nenner brachte. Die Art wie er alle diese Motive gehandhabt hat, zeugt von einem Künstler, dem nichts Provinzielles anhaftete, wenn auch dieser Begriff (im damals gängigen Sinn) gegenwärtig obsolet geworden ist.

Abschließend und zusammenfassend: Lusenbergs Kunst ist nicht nur als Zeitdokument verwendbar oder als solches abzutun. Sie ist zeitgebunden und zeitlos zugleich. Es ist Kunst, die unmittelbar mit dem Leben und dem Lebensgefühl zu tun hat, mit existentiellen Grunderlebnissen und Grundsituationen, wie sie zu allen Zeiten,waren und wiederkehren. Es ist der Wahrheitsgehalt, der seiner Kunst seine Zeitlosigkeit verleiht. Seine Bilder betrachtend, erleben wir das von ihm Festgehaltene auf die unmittelbarste Art, nämlich über unsere Sinne. Kunsttheorien und -spekulationen haben da nichts zu suchen, da seine Werke jeweils ein Stück Leben erfassen und erfahrbar machen, das für sich selbst spricht. Was er geschaffen hat, ist im wahrsten

Sinne des Wortes Vollblutkunst. Er hat die ihm vertrauten Motive weder nachgemalt noch abgemalt im Sinne eines populären deskriptiven Realismus, sondern kraft der Offenbarungen seines Auges in ihrer Lebendigkeit, Frische und vor allem in ihrem so unverwechselbaren Lokalkolorit eingefangen. Seither erleben wir unsere Umgebung (wo sie noch intakt geblieben ist) sozusagen ä la Lusenberg. Das gilt gleichermaßen von scharfbeobachteten Details wie z. B.: von der Patina verwitterte Häuserfronten, von der Zeit gebleichte Gartenzäune, von der Sonne gebräunte Almhütten, von Städeln, von getäfelten Stuben, Heutennen und Viehställen.

Eine besondere Abhandlung verdienten an dieser Stelle noch seine Portraits, worin er sich als ein ungewöhnlich scharf beobachtender Malerpsychologe er-weist, der Erstaunen und Betroffenheit auslöst. Sind Lusenbergs Portraits nicht wie gemalte Biografien, leibhaftige Menschenschicksale aus der ladinischen Chronik, die uns mehr vermitteln als die bislang historisch erfaßte? Sind sie nicht Spiegelbild einer ethnischen Minderheit, die, gleichsam auf ihre Art, Geschichte mitgeprägt hat? Einige seiner Portraits gehen auch noch darüber hinaus, sie zeigen uns den Menschen schlechthin.

Er war in der Tat ein malender Zauberer und ein Meister des Kleinformats, in dem sein Malpotential am einprägsamsten zum Tragen kommt. Überraschenderweise zeigt er uns in Landschaftsbildern seiner letzten Schaffenszeit einige Beispiele von "Pleinair-Malerei", womit er sich einen verdienten Platz unter den Impressionisten gesichert hätte.

Ich persönlich kenne im gesamten ladinischen Raum keinen Maler um diejahrhundertwende, der es mit dem Lusenberger aufnehmen könnte. Erst wenn eines Tages sein Gesamtwerk offen zutage liegt, wird man ermessen können, was ich hier zu vertreten mir angemaßt habe. Es beruhigt mich zu wissen, daß ich nur einer von vielen Lusenberger-Anhängern bin.

P.S.: Neben der Gedenkausstellung in der Galerie am Dominikanerplatz 1965, fanden noch 2 Sonderausstellungen über Josef MoroderLusenberg im Grödner Museum in den Jahren 1968 und 1986 statt.

 

Gert Ammann

Josef Moroder gilt als Schüler Pilotys und Defreggers in München. Er kann sich aber nicht nur in der Historienmalerei schulen, sondern bleibt bis in die achtziger Jahre immer wieder ein Lernender. Kaum ein Künstler seiner Zeit nimmt so eine vielfältige und intensive Ausbildung wahr: Nach dem ersten Zeichenunterricht beim Kuraten Vian in St. Ulrich bildet er sich in der Benediktinerabtei St. Georgenberg - Fiecht, wo eine damals berühmte und angesehene Zei chenschule existiert, weiter. Zurückgekehrt in die Heimat, findet er neben der landwirtschaftlichen Arbeit Zeit zurn Zeichnen und Schnitzen, wie es in seiner Heitnat ein alter Brauch ist.

Nach der Bildhauerlehre beim Bildschnitzer Franz Prinoth da Passua gelingt es Moroder, nach München zu gehen. Dort tritt er über Vermittlung seines Landsmannes Ferdinand Demetz mit dem Direktor der Mayer'schen Kunstanstalt, dem Außerferner Bildschnitzerjosef Knabl, in Kontakt. Knabl ist einer der anerkannten religiösen Bildhauer und Schöpfer großer Schnitzaltäre und prägt die Zeit der Erneuerung des christlichen Bildwerks mit seiner Kunst. Moroder erfährt hier die großen Neuerungen in der religiösen Skulptur, die er 1870 in den beiden Figuren der Immakulata und der Maria Dolorosa für die Kirche in St. Ulrich einfließen läßt.

Auf der Wiener Weltausstellung 1873 begegnet er dem Gemälde Defreggers "Der Ball auf der Alm", das ihm soviel Anregung verleiht, daß er beschließt, Maler zu werden. Mit Unterstützung seiner zweiten Frau Felizita, die einen Kunst- und Antiquitätenhandel betreibt, ist ihm von 1876 bis 1879 der Besuch der Münchner Akademie möglich. Karl Theodor von Piloty, der große Historienmaler, und der Bildhauerjosef Knabl sind neben den Professoren Löfftz und Diez seine Lehrer und Vorbilder.

Für seine Malerei aber ist vielmehr die Lernzeit bei Franz von Defregger ab 1880 ausschlaggebend. Durch Kopieren Defregger'scher Gemälde eignet sich Moroder vor allem dessen Kompositions- und Malweise an. Die skizzenhaften Ölgemälde Moroders vermitteln die intensive Auseinandersetzung mit dem Werk Defreggers; die Szenen aus dem Alltag der bäuerlichen Menschen, die fein abgestimmten und farblich nuancenreichen Milieuschilderungen, die Charakterisierung der Männer und Frauen, Mädchen und Burschen, die tektonischen Bilder mit Häusern und Gehöften, all das ist für Moroder im Werk von Defregger vorgeprägt. Die volle Abhängigkeit ergibt sich 1884/85 im Auftrag für Kopien der beiden Historienbilder "Andreas Hofers letzter Gang" und "Speckbachers Aufruf'von Franz von Defregger für das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.

Offizielle Werke folgen für den Hochaltar der Pfarrkirche St. Ulrich und für die Antoniuskirche, für die Kanzel der Pfarrkirche in Wolkenstein, in den Fresken der Friedhofsarkaden in St. Ulrich und schließlich im Relief "Das letzte Aufgebot" nach Defreggers Gemälde für die Firma Krupp in Essen. Von 1896 bis 1899 wirkte Moroder als Leiter der Abteilung Freihandzeichnen an der Kunstschule St. Ulrich. Dime offiziellen bildhauerischen und malerischen

Arbeiten sind nur Randereignisse in seinem reichen künstlerischen Leben. Seine vielfältige Ausbildung prädestiniert ihn aber für diese verschiedenen Aufgaben in seiner Malerei.

Sein malerisches Werk ist bestimmt von der tiefempfundenen und ehrlichen Traditionsbindungzum bäuerlichen Leben des Grödentales. Moroderversteht es, die Menschen desTales in ihrem Wesen und ihrer Mentalität festzuhalten, die Charakterköpfe mit weichem Pinselduktus zu modellieren, aber auch die idyllische Alltagswelt aufzuzeigen. Moroder sieht sich nicht als kritischer Interpret seiner Zeit, vielmehr liegt ihm die Würde und die Ehrlichkeit der Menschen am Herzen, um sie in ihrem Lebensraum zu schildern. Auch die Natur, die von Menschenhand geformte und gestaltete Landschaft bleibt ihm ein Anliegen: es gelingt ihm aber auch über die realitätsbezogene Abbildung der topographischen Realität hinaus freie, mit starkem Kolorit geformte Eindrücke von Naturausschnitten niederzuschreiben, die vielleicht zu den reifsten und fortschrittlichsten Malereien in seinem Gesamtwerk zählen.

Den Porträts in seinen Gemälden verwandt sind die Aquarelle, in denen er seine Spontaneität im Malauftrag kundtut. Stille Erinnerungsbilder, meist Begebenheiten oder Personen seiner Umgebung, sind wie Tagebuchaufzeichnungen notiert. In Erinnerung bleiben aber die vielen tiefempfundenen Bildnisse, Menschen in der Tracht, in ihrer Natürlichkeit, in ihrer seelischen Bedrängnis oder in einer fröhlichen Stimmung: Charakterköpfe in realistischer Prägnanz, oft der Porträtkunst eines Wilhelm Leibl verwandt, bis hin zum eindrucksvollen Ereignisbild des Todes seiner ersten Frau, das überhaupt zu den empfindungsreichsten Bildschöpfungen zählt.

So steht Josef Moroder-Lusenberg als eine markante Persönlichkeit jenen Künstlern voran, die sich der künstlerischen Tradition des ausgehenden 19. Jahrhunderts in vollem Maße verpflichtet fühlen. Konsequent verfolgt er diese Kunstströmung, sieht sich aber bef'ähigt, im Landschaftsbild aus der Tradition auszubrechen und für ihn neue Wege zu beschreiten.

Josef Moroder - Lusenberg ist in seinem ganzen vielfältigen künstlerischen Werk einer der großen Bildschöpfer des Grödentales.

Aus: Josef Moroder Lusenberg
Sparkasse
Cassa di Risparmio
Druck Typak St. Ulrich

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