Franz Moroder (1847 - 1920)

 

Other publications:

  • Zur Topographie und Nomenclatur der Geisslerspitzen-Gruppe
    aus Mitteilungen der Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Nr. 15 1887

  • Sauri da se tenž a-mŽnz (Inuemes de lues sun Resciesa y Vaves). CalŽnder de GherdŽina 1914, page 72.

     

  • Der Religionsunterricht in GrŲden

     

  • Rundreise Polka Mazurka

     

  • Franz Moroder de Lenert

    Zeichnung des Schwiegersohns Prof. Ludvig Moroder dl Meune

    Franz Moroder

    Ein Ladiner ohne Furcht und Tadel


    Dieter Kattenbusch
    Aus: Ladinia Sfoi Cultural dai ladins dles Dolomites nr. 15, Istitut Ladin»Micurä de rü« - San Martin de Tor 1991, Seite 65

    «Menschen, die ihre Fähigkeiten ohne rein private Interessen für die Mitbürger und für die Gemeinde einsetzen, sind immer selten. Wenn wir an Bürger des Grödentales denken, die sich ihr Leben lang für das öffentliche Wohl eingesetzt haben, so finden wir in Franz Moroder-Lenert einen der bedeutendsten Männer». Mit diesen Worten beginnt Edgar Moroder die biographische Beschreibung des Franz Moroder de Jan Matie zu Lenert in seinem voluminösen Werk über das ladinische Geschlecht der Moroder, 1) das auf den uns bereits 1380 urkundlich bezeugten Mureda-Hof in Urtijëi St. Ulrich zurückzuführen ist.

    Wer war dieser Franz Moroder? Geboren am 4. September 1847 in St. Ulrich, ging er dort und später in Brixen zur Volksschule. In Brixen und Trient besuchte er von 1861-63 die Realschule. Früh entschied er sich für den Beruf des Kaufmanns. Mit 18 Jahren reiste er bereits nach Rußland, und zusammen mit seinem Bruder Alois (1844-1896) fuhr er, «um die Hauptabsatzplätze der Grödner Schnitzwaren kennenzulernen, nach Belgien, London und Amsterdam», 2) Gemeinsam gründeten sie 1869 die Schnitzwarenfirma «Gebrüder Moroder». Bereits 1872 - gerade 25 Jahre alt - wurde Franz Moroder Mitglied des Gemeinderats, dem er bis 1915 - ab 1902 als Gemeindevorsteher - nur mit einer Unterbrechung von drei Jahren angehörte. 1875 heiratete er, 14 Kinder gingen aus der Ehe hervor.

    Franz Moroder wurde zu einer Institution. Als Person des öffentlichen Lebens in Gröden war er 1885 Mitbegründer der grödnischen Sektion des Deutsch-Osterreichischen Alpenvereins. Auf seine Initiative geht die Errichtung des Grödner-Joch-Hospizes zurück (er war Mitglied und mehrere Jahre Präsident des HospizKonsortiums). Erwähnt seien auch seine Initiativen zur Vergrößerung der Pfarrkirche von St. Ulrich, zur Verlegung einer «Hochdruckwasserleitung», die St. Ulrich mit Trinkwasser versorgte, zur Gründung der Sparkasse und zur Erhebung von St. Ulrich zur Marktgemeinde.

    «Charakterlich gesehen war bera Franzl ein ernster Mensch. Er hatte einen stechend-scharfen Blick und wenn er auf der Straße ging, sah er kaum nach rechts und links, so war er stets in seine Gedanken vertieft. Er war eine geachtete und respekteinflößende Person. Er war gerecht, liebte die Ordnung und die Arbeit und ging den Schwierigkeiten nicht aus dem Weg. Er sorgte mit gleicher Unermündlichkeit für seine große Familie, für sein Verlegergeschäft, für das Wohl der Öffentlichkeit und für die Erhaltung seiner geliebten Grödner Mundart.», 3) Sein Einsatz für die ladinische Sprache - besonders für das Grödnische, das schon damals stark unter dem Einfluß des Deutschen stand - ist nicht hoch genug einzuschätzen. Heute stünde so manchem Ladiner die Sturheit eines Franz Moroder in Sachen Sprachverwendung («Mit einem Grödner sprach er grundsätzlich nur Ladinisch, ganz gleich worum es ging», 4)) gut zu Gesicht.

    Aber nicht nur in der vertrauten Umgebung seiner Heimat trat er für die Sprache ein, vielmehr setzte er sich auch nach außen hin gegen verschiedene Tendenzen (einerseits natürlich gegen die «Verdeutschung», andererseits gegen die Aspirationen bestimmter irredentistischer italienischer Kreise) zur Wehr. Ein beredtes Beispiel ist seine Flugschrift Warnung aus dem Jahr 1906 (das Original ist abgedruckt in Ladinia 2, 1978, S. 135):

    Ein fremder Prophet ist aufgestanden, er schwingt eine fremde, feindliche Fahne und sammelt Unterschriften zu einer Petition für die gänzliche Verdeutschung der hiesigen Schule. Grödner! Seid auf der Hut, laßt Euch nicht betören und bietet nicht selbst die Hand zur Zerstörung eines unersetzlichen Schatzes, eines wahren Reichtums, nämlich Eurer Muttersprache; es wäre dies ein Frevel, der sich bitterlich rächen würde an euren Nachkommen, ein Fehler, der niemals wieder gutgemacht werden könnte. Lernet die deutsche Sprache so fleißig es möglich ist, sie wird Euch von großem Nutzen sein,- wollt ihr aber auf noch festerem, sicherem Fuß stehen und etwas voraus haben vor den anderen, so lernet zugleich und schon von Jugend auf italienisch, und in der Folge dann auch französisch ete. etc., aber vor allem wahret ängstlich Eure alte Muttersprache, denn sie ist nicht bloß ein nicht zu überschätzender Behelf zur leichten Erlernung vieler anderer Sprachen, sondern sie ist auch eine Waffe und ein starker Schild zur Abwehr fremder Eingriffe und zur Entfaltung der fast beispiellosen Tüchtigkeit der Grödner. Weiset daher dem unberufenen Unterschriftensammler höflich, aber entschieden, die Tür und wenn ihm und seinen Anhängern das Gröden mit Grödnern nicht mehr paßt, so zeiget ihm den Weg nach St. Peter und Lajen, wo er auch noch im Tale Gröden als Deutscher, aber unter lauter brave[n] Deutsche[n] leben kann, und wo er dann nachdenken mag, wo er auf einen grünen Zweig und zu seinem Vermögen gekommen ist. Die Grödner verlangen keinen Dank von ihm, aber er soll sich als Fremder jedes Eingriffes in derartige Lebensfragen der einheimischen Bevölkerung enthalten, sonst wird er bald seine Schritte nach auswärts lenken müssen, wie manch anderer vor ihm dem das grödnerische Gröden nicht gut genug war. Der Grödner ist lernbegierig und lernfähig und jedem dankbar, der ihm etwas beibringt, aber Grödner will er bleiben und soll er bleiben, so wie es seine Vorfahren verstanden haben, durch mehr als zweitausend Jahre ihre Nationalität inmitten anderer Sprachstämme zu erhalten, denn gerade seine spezielle Individualität ist seine Stärke, und dies lasset euch niemals und unter welcher Fahne wie immer nehmen und rauben!

    Da rufet jedem, der dieselbe antasten will, ein kräftiges «Noli me tangere» (Rühre mich nicht an!) zu.

    Noch im selben Jahr läßt Franz Moroder erneut eine Flugschrift drucken, nachdem wieder mit Hilfe einer Unterschriftensammlung versucht worden war die deutsche Schule in Gröden einzuführen. Die Schrift trägt den Titel «Nochmals ein offenes Wort» und ist der ersten inhaltlich und in einzelnen Formulierungen ähnlich. Sie endet mit den Worten: «Dem Grödner aber rufen wir nochmals zu.- «Lerne und nimm alles auf, was dir Nutzen bringen kann, bleibe aber dabei Grödner, wahre deine Muttersprache» und lasse dir diesen Schatz nie und niemals nehmen und der bewährte rhäto-Iadinische Schutzgeist wird dich die richtige Bahn der weiteren gesunden Entwicklung und des wirtschaftlichen Erfolgesführen. EINER, DER WACHE HAELT».

    Im Jahre 1911 kommt er mit der fünfseitigen Schrift «Das Deutschtum in Gröden» erneut auf die Problematik der Verdeutschung zurück. Moroders Kritik an bestimmten Verhaltensweisen seiner Mitmenschen könnte heute im gleichen Wortlauf formuliert werden:

    Die Deutschen in Gröden sprechen nicht nur unter sich deutsch, sondern auch mit dem Grödner nur deutsch (auch dann noch nicht grödnerisch, wenn sie schon das Grödnerische einigermaßen kennen und beherrschen), denn der Grödner hat die weitgehendste Rücksicht auf die deutschen Ortsgenossen und Besucher, und in Gesellschaften, bei Versammlungen und Verhandlungen etc. sprechen alle Grödner deutsch (oft mit Uberwindung und Anstrengung), soferne nur ein einziger Deutscher dabei ist! Wo in aller Welt kommt solches noch vor? Wenn Grödnerfamilien sich in deutschen oder anderssprachigen Orten ansässig machen oder aufhalten (..) welche Rücksicht hat man gegen sie oder kann man gegen sie haben? Ist es jemals einem Menschen eingefallen, aus Rücksicht aufdie zugewanderten Grödner ihre Sprache zu erlernen, um mit ihnen grödnerisch sprechen zu können?» (S. 2).

    Seiner Meinung nach sollen die Grödner «im wohlverstandenen eigenen Interesse, wie bisher, nur recht fleißig die deutsche Sprache pflegen und üben, gegen eine völlige Verdeutschung aber im eigenen Interesse, als eine Gefährdung der nationalen Existenz sofort entschieden Stellung nehmen und sich dagegen mit vereinten Kräften bis zum Äußersten wehren ... Die Muttersprache soll jedermann als einen Schatz, ja als ein Heiligtum betrachten und für die Erhaltung desselben mit Leib und Seele eintreten!» (S. 4).

    Trat Moroder einerseits vehement gegen die Verdeutschung ein, so vertrat er andererseits ebenso konsequent die These von der kulturellen Unabhängigkeit von den Italienern. Schon in «Das Deutschtum in Gröden» wird das mehrmals deutlich: «Es ist jedermann bekannt, daß der Grödner italienischem Wesen stets abgeneigt war und noch ist, daß er Mißtrauen gegen den Italiener hegt und ihn gewissermaßen fürchtet» (S. 1). Seiner Meinung nach war Gröden seit tausend Jahren ein «unüberwindlicher Schutzwall gegen das Wälschtum ... der Grödner muß nicht nur als kräftiger Bundesgenosse der Deutschen im Kampfe gegen die Verwälschung bezeichnet werden, was auch wiederholt anerkannt wurde, sondern er hat bewiesen, daß er sogar ein erfolgreicherer Kämpfer gegen die Verwälschung ist, als seine deutschen Nachbarn ... » (S. 2).

    Um so mehr muß ihn ein Artikel von Alfred Piech über «Die ladinische Frage» aus dem Jahr 1913, 5) getroffen haben, in dem jener aus den Flugschriften zitiert und den Autor als dem «Lager der Italienerfreunde» angehörig bezeichnet (S. 1144-1145). Ihm wird unterstellt, er plädiere für die Erlernung einer dritten Sprache (des Italienischen), damit «dann mit der Zeit das Deutsche langsam ganz in den Hintergrund gedrängt und schließlich überhaupt zum Verschwinden gebracht werden könnte» (S. 1145).

    Franz Moroder wäre nicht der Kämpfer gewesen, als der er bekannt war, wenn er diesen Vorwurf auf sich hätte sitzen lassen. Am 25. Februar 1914 schreibt er an Alfred Piech, 6). Nach einigen allgemeinen Bemerkungen und Angaben zu seiner Person sowie Korrekturen zu einzelnen Aussagen in Piechs Artikel kommt er auf den Vorwurf der Italienerfreundlichkeit zu sprechen (S. 2):

    Nun zu dem Absatze (Seite 1144 u. 1145) welcher meine Person (ohne sie zu nennen) beziehungsweise meine Veröffentlichungen berührt u. sehr scharf kritisiert Mir schadet diese Kritik gar nicht, ich hin Zeitungsschreiber u. was ich rede u. schreibe, thue ich stets nur im internen Kreise der Grödner u. trage nie etwas nach aussen; ich habe auch verschiedene Artikel über meine Veröffentlichungen (auch in Ihrem werten Blatte) zu Gesicht bekommen, aber nie darauf reagirt u. habe nur ein empfindliches Bedauern, dass Sie, der Sie eine so tüchtige Feder führen u. ein solches Interesse an dem Ladinerium haben u. sicherlich noch weiter für dasselbe thätig sein werden, über mein bescheidenes Wirken u. meine Intentionen u. Bestrebungen so falsch unterrichtet sind (vielleicht in Folge aufhetzerischer Einflüsterungen). Dass Sie besagten Absatz in dieser Fassung niederschreiben u. veröffentlichen konnten, veranlasst mich, diesen Brief an Sie zu richten. Ich bezwecke damit nicht mich zu vertheidigen, sondern möchte nur Ihre Ansicht, welche auf eine ganz irrige Beurtheilung basirt, etwas richtigstellen. Sie schreiben «aus dem Lager der Italienerfreunde unter den Ladinern» u. bezeichnen mich (ungenannt) als den Führer derselben; es gibt aber in Gröden kein Lager de Italienerfreunde u. ich bin nicht ihr Führer; nach meinem Wissen gibt es über haupt keine Italienerfreunde in Gröden ... Ich habe nie gegen das Deutschtum als solches geschrieben, sondern nur gegen die angestrebte u. eingeleitete u. leider schon ziemlich vorgeschrittene v ö l l i g e, V e r d e u t s c h u n g Grödens gekämpft u. geschrieben ...

    Und um die Aussage, er sei kein Italienerfreund, zu unterstreichen, zitiert er aus einem Brief an Ettore Tolomei, den Gründer und Herausgeber des irredentistischen Archivio per l'Alto Adige: «Fragen Sie sich vielleicht auch an bei Ettore Tolomei, dem Herausgeber des Archivio per l'Alto Adige, welcher zufällig meine Veröffentlichungen aufgegriffen hat u. sich vielleicht einbildete, ich könnte möglichenfalls ein Bundesgenosse der Lega werden, ob ich ein Italienerfreund bin, was ich ihm antwortete auf seinen Vorschlag, meine Aufsätze in das Italienische zu übersetzen? ich sagte ihm «wenn ich auch einerseits, um unsere Nationalität noch so lange als möglich zu erhalten, die jetzt eingeleitete völlige Verdeutschung Grödens bekämpfte, so würde er mich anderseits im Falle der Gefahr einer Vewälschung in den ersten Reihen der Kämpfer finden, denn gegen eine Verwäschung wäre ich ein noch viel schärferer Kämpe.»

    Piechs Antwort läßt nicht lange auf sich warten. Er schreibt - allerdings ausgesprochen kurz - am 8. März 1914:

    Redakteur

    Alfred Piech Innsbruck, 8.3.14

    Geehrter Herr Altvorsteher!

    Ich danke Ihnen für die Zusendung Ihres Briefes vom 25.2.14. Ich habe alles mit Interesse gelesen, mir fehlt es aber infolge dienstlicher Uberlastung an Zeit, jetzt schon ausführlich auf die Sache zurückzukommen. Ich behalte mir dies aber für die nächste Zeit vor. Die Beilage, aufdie Sie hegrefflicherweise Wert legen, ist bei mir gut aufgehoben und ich werde sie Ihnen selbstverständlich zurückstellen.

    Bis dahin zeichne ich als Ihr hochachtungsvollst ergebener Alfred Piech

    Seit 1906 erschien - von E. Tolomei herausgegeben - das Archivio per l' Alto Adige. In Band 8 (1913) wurde ein Beitrag von Ottone Brentani mit dem Titel «Ladinia» abgedruckt (S. 40-46), in dem das Ladinische zwar als «figlio della lingua latina ed un ... parente delle altre lingue romanze» bezeichnet wird, aber doch gleichzeitig betont wird, «la parlata ladina povera Cenerentola montana» sei «poco conosciuta e meno apprezzata, rimanendo sempre dialetto, e non riuscendo mai a diventare vera lingua» (S. 40). Welche Intention hinter dem Artikel steht, wird am Schluß deutlich: «Della quale Ladinia, con questi cenni brevi e modesti, non ho certamente preteso di dare un' idea, sia pur pallida ed incompleta: pago se avrò contribuito a richiamar l'attenzione dell' Italia sulla piccola sorella dimenticata, e bisognosa di amore e di aiuto» (S. 46). Tolomei hätte es sicher gerne gesehen, wenn ein so angesehener Ladiner wie Franz Moroder sich in den Dienst seiner irredentistischen Absichten gestellt hätte. Jedenfalls stand er mit Moroder im Briefverkehr. Im Nachlaß von Franz Moroder befindet sich ein an ihn adressierter Brief von Tolomei, 7) (auf den dann die oben erwähnte Antwort erfolgte), in dem dieser ihm vorschlägt, seine offenen Briefe zweisprachig italienisch-deutsch zu veröffentlichen, und sich anbietet, sie ins Italienische zu übersetzen. Der Brief ist nicht datiert, doch enthält er am Schluß die handschriftliche Notiz «am 13. Juli 1912 beantwortet».

     

    DIREZIONE

    dell' Archivio per l' Alto Adige

    GLENO presso EGNA

    CIRCOLO DI BOLZANO (Austria)

    Preg.mo Signore

    Allorché ricevetti la stimata Sua che mi richiedeva l'articolo di quest'Archivio relativo alla Sua lettera a stampa «Das Deutschtum in Gröden», io Le avevo già spedito l'articolo stesso; suppongo che le lettere si siano incrociate, e che l' abbia a suo tempo ricevuto. Ho poi avuto notizia che l' articolo medesimo è stato ristampato, con qualche commento, nel giornale di Trento «L'Alto Adige» N° 13/14 giugno; se è quest' ultima pubblicazione ch' Ella desidera, anziché la prima, bisognerà che si rivolga a Trento al detto giornale.

    Sento, poi, dalla stessa pregiata Sua lettera, che sta nelle Sue intenzioni di pubblicare una nuova Lettera-circolare sul medesimo argomento, e fin d' ora La prego di volermene favorire copia a suo tempo, giacché il punto di vista dal quale Ella considera le questioni nazionali, linguistiche e religiose dell' amata valle nativa grandemente m' interessa.

    S' Ella m' onora di suoi scritti, continui pure a servirsi del tedesco, che Le riesce, per continuato uso, più facile; rispondendo io in italiano so che Lei comprende benissimo la nostra lingua, e così la corrispondenza riuscirà ad entrambi facile e spedita. Un' osservazione, però, voglia permettermi perché le sue lettere a stampa non potrebbero essere bilingui? cioè con doppio testo a fronte, italiano e tedesco?

    Se la cosa Le sembrasse giusta, e fattibile, e se la difficoltà fosse quella della scarsa perizia nella lingua italiana, volentieri m' incaricherei io stesso di prepararle la relativa traduzione.

    Colla massima stima

    dev. mo

    E. Tolomei

    Bei dem im Brief erwähnten Artikel ist unter anderem folgende Passage zu lesen (S. 155):

    «Francesco Moroder, già podestà d' Urtiséi, ha lanciato un appello ai suoi compaesani perché si stringano alle difese. Questa lettera a stampa è un importante documento. Dandone notizia per il primo il giornale Il Trentino ebbe a dire giustamente ch' essa «espone l'atteggiamento preso dalla popolazione di Gardena di fronte all' azione germanizzatrice dei tedeschi». Da tutto il documento spira la ribellione contro gli apportatori di discordia, l' indignazione contro gl' insidiatori dell' idioma avito ...

    Premettiamo che il signor Moroder è un amico della nazione tedesca e che questa sua lettera (uscita a Bolzano) è stampata in tedesco. Purtroppo la Gardena, per un cumulo di circostanze concomitanti e soprattutto per la trascuranza ed ignavia degli italiani restò dalla cultura italiana tanto divisa da render possibile codesto caso curioso: d' un italiano che combatte contro il «tedeschismo» ed all'uopo scrive ... in tedesco».

    Der schlimmste Fehler, der Tolomei hier unterlaufen konnte, war wohl, Franz Moroder als «italiano» zu bezeichnen; damit muß er ihn sich zum erbitterten - wenn auch nach wie vor höflichen - Gegner gemacht haben, den Tolomei «im Falle der Gefahr einer Verwälschung in den ersten Reihen der Kämpfer finden» würde.

    Diese kurzen Ausführungen haben vielleicht dazu beigetragen, das Bild des Franz Moroder noch etwas zu vervollständigen. Es war wohl nicht übertrieben, was auf seinem Sterbebild stand: «Das Ladiner- und Tirolertum verliert in ihm einen seiner Besten. Sein makelloses Ehrenschild und sein lauterer Charakter waren über alles erhaben», 8).

     

    Anhang. Brief Franz Moroders an Alfred Piech, 9)

    25. Februar 1914

    Geehrtester Herr P i e c h.

    Ich hatte diese Tage Gelegenheit Ihren Aufsatz «Die ladinische Frage» im Hefte 48 des I. Jahrganges der Zeitschrift «Deutsch Oesterreich» zu lesen u. that dies mit besonderer Aufmerksamkeit, nachdem ich für alles, was unsere Nationalität betrifft, das regste Interesse habe.

    Ich bin mit Ihren Darlegungen zumeist vollkommen einverstanden u. schliesse mich Ihren Bestrebungen im allgemeinen an, soweit sie die Bekämpfung der von den Südtirolern [=Trentinern] angestrebten Verwälschung bezwecken, erlaube mir aber doch, gegen einige Ausführungen in Ihrem Aufsatze Einwendungen zu erheben.

    Zuerst erlaube ich mir, mich vorzustellen: ich bin eingeborner Grödner, 67 Jahre alt, als Kaufmann ziemlich in die Welt hinausgekommen, etwas sprachkundig, durch 42 Jahre in der Gemeindevertretung von St. Ulrich in Gröden, Altbürgermeister, Ehrenmitglied dieser Gemeinde, seit 28 Jahren correspondirendes Mitglied der Handels- u. Gewerbekammer Bozen, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, Mitglied des Ladinervereins u. Mitarbeiter am Grödnerkalender.

    Der Satz «Die Ladiner gerieten vollständig unter die Leitung des Italienertums» (4.-5. Zeile von unten, Seite 1141) halte ich nicht ganz richtig u. zutreffend, zu einer entsprechenden Begründung meiner abweichenden Meinung fehlt mir die Zeit u. der Raum in meinem heutigen Briefe.

    Ad Zeile 6 von unten Seite 1142, 10) sei bemerkt, dass Gröden-Kastelruth bei der Volkszählung 1910, 4574 Einwohner hatte, somit jedenfalls über 4400 Ladiner zählte, da anderssprachige Einwohner nur circa 3% sein dürften. Die Bevölkerung Grödens ist stets in Zunahme begriffen.

    Zum zweiten Absatze der Seite 1144, 11) erlaube ich mir zu bemerken, dass ich kaum glauben u. zugeben kann, dass es unter den eingebornen Ladinern Renegaten gebe, welche eine Verwälschung anstreben. Leider gibt es aber einige verdeutschte Ladiner, welche unter Verkennung der Wichtigkeit der Erhaltung der ladinischen Nationalität, die völlige Verdeutschung der Ladiner gerne sehen, befürworten u. anstreben u. in dieser Richtung thätig sind,- ich halte dies für ein Unglück u. bedaure sehr, dass es solche Renegaten gibt. Verwälschungstendenzen hat es in Gröden nie gegeben u. gibt es einfach nicht.

    Was die Seelsorge betrifft, so muss bemerkt werden, dass seit meinem Gedenken Gröden immer genügend einheimische Priester hatte, dass solche oft auch nach anderen Orten versetzt u. hier zeitweise andere ladinische Geistliche (aus Enneberg, Fassa, Buchenstein) u. mitunter auch rein deutsche, wohl aber nie italienische Geistliche angestellt wurden. Wie es in anderen ladinischen Seelsorgen bestellt ist, weiss ich nicht, nachdem es aber Thatsache ist ' dass Gröden u. Enneberg, u. wohl auch Fassa u. Buchenstein überzählige einheimische Geistliche haben, so bezweifle ich sehr, dass in dieser Richtung auf eine Italianisirung der Ladiner hingewirkt wird u. hingewirkt werden kann.

    Nun zu dem Absatze (Seite 1144 u. 1145) welcher meine Person (ohne sie zu nennen) beziehungsweise meine Veröffentlichungen berührt u. sehr scharf kritisirt. Mir schadet diese Kritik gar nicht, ich hin Zeitungssehreiber u. was ich rede u. schreibe, thue ich stets nur im internen Kreise der Grödner u. trage nie etwas nach aussen; ich habe auch verschiedene Artikel über meine Veröffentlichungen (auch in Ihrem werten Blatte) zu Gesicht bekommen, aber nie darauf reagirt u. habe nur ein empfindliches Bedauern, dass Sie, der Sie eine so tüchtige Federführen u. ein solches Interesse an dem Ladinertum haben u. sicherlich noch weiterfür dasselbe thätig sein werden, über mein bescheidenes Wirken u. meine Intentionen u. Bestrebungen so falsch unterrichtet sind (vielleicht in Folge aufheizerischer Einflüsterungen). Dass Sie besagten Absatz in dieser Fassung niederschreiben u. veröffentlichen konnten, veranlasst mich, diesen Brief an Sie zu richten. Ich bezwecke damit nicht mich zu vertheidigen, sondern möchte nur Ihre Ansicht, welche auf eine ganz irrige Beurtheilung basirt, etwas richtigstellen. Sie schreiben «aus dem Lager der Italienerfreunde unter den Ladinern» u. bezeichnen mich (ungenannt) als den Führer derselben; es gibt aber in Gröden kein Lager der Italienerfreunde u. ich bin nicht ihr Führer; nach meinem Wissen gibt es überhaupt keine Italienerfreunde in Gröden u. ich bin kein Führer, denn ich arbeite als aller u. sehr kränklicher Mann in der Nalionalitätenfrage ganz still in meiner Zurückgezogenheit, selbständig u. unbeeinflusst, ich berate mich mit niemandem, niemand erhält von mir Weisungen oder Anregungen, ich verkehre fast gar nicht nach aussen u. führe niemanden. Ich habe nie gegen das Deutschlum als solches geschrieben, sondern nur gegen die angestrebte u. eingeleitete u. leider schon ziemlich vorgeschrittene v ö ll i g e V e r d e u t s c h u n g Grödens gekämpf u. geschrieben und werde nicht ermüden, dies weiter zu thun, einzig u. allein im Interesse der Erhaltung unserer Nationalität. Bei der Anführung meiner Fussnota 4), 12) betreffend Volksschule ad Seite 3 meines Aufsatzes «Der Refigionsunterricht in Gröden» hätten Sie doch ehrlicher Weise meinen ganzen (kurzen) Satz zitiren sollen zum richtigen Verständniss meiner Behauptung, da ja Ihre unvollständige Wiedergabe, 13) selbstverständlich geeignet ist, meiner Bemerkung einen ganz anderen Sinn unterschieben zu können, als sie, richtig ausgelesen, hat. Es widerstrebt mir, auf die folgenden Sätze in Ihrem betreffenden Abschnitte (von dem, was ich verbrochen, von woher der Wind bläst, von der dritten Sprache u. von den Hintergedanken), 14) weiter einzugehen, denn sie sind zu krass unrichtig, ich möchte fast sagen verkehrt, u. mein Brief würde zu lang werden, wenn ich die völlige Unhaltbarkeit dieser Sätze hier beweisen sollte,vielleicht thue ich dies an anderer Stelle später, wenn ich noch das Leben habe u. arbeitsfähig bleibe.

    Ich lege hier meine 4 offenen Schreiben, 15) bei u. bitte Sie, gerecht zu sein u. dieselben ohne Voreingenommenheit noch ein Mal aufmerksam durchzulesen, u. ich bin der festen Ueberzeugung, dass Sie dann werden sagen müssen, «ja die Sache ist doch ganz anders als ich sie mir vorstellte u. mir vielleicht einreden liess, so dass ich glaubte, dagegen kämpfen zu sollen; ich habe aus Versehen einen Bundesgenossen u. nicht einen Feind bekämpft».

    Lesen Sie vielleicht auch mein kleines Buch «Das Thal Gröden 1891» (wohl nur in der Bibliothek des Ferdinandeum, weil nirgends mehr erhältlich) dabei auch Seite 97 u. 130, u. Sie werden dann über den Grödner u. auch über meine Person etwas richtiger urtheilen.

    Fragen Sie sich vielleicht auch an bei Ettore Tolomei, dem Herausgeber des Archivio per l'Alto Adige, welcher zufällig meine Veröffentlichungen aufgegriffen hat u. sich vielleicht einbildete, ich könnte möglichenfalls ein Bundesgenosse der Lega werden, ob ich ein Italienerfreund bin, was ich ihm antwortete auf seinen Vorschlag, meine Aufsätze in das Italienische zu übersetzen? ich sagte ihm, «wenn ich auch einerseits, um unsere Nationalität noch so lange als möglich zu erhalten, die jetzt eingeleitete völlige Verdeutschung Grödens bekämpfe, so würde er mich anderseits im Falle der Gefahr einer Verwälschung in den ersten Reihen der Kämpferfinden, denn gegen eine Verwälschung wäre ich ein noch viel schärferer Kämpe. »

    Dass ich kein Mucker bin, beweist Ihnen vielleicht die einfache Thatsache, dass ich seit 43 Jahren ununterbrochen aufdie Neue Freie Presse abonnirt bin (für mich allein).

    Doch genug, ich habe wohl Ihre kostbare Zeit schon zu lange in Anspruch genommen u. ich hoffe, Sie werden nun diese Angelegenheit doch etwas richtiger, als in den berügten Sätzen wiedergegeben, beurtheilen u. mir Gerechtigkeit widerfahren lassen.

    Genehmigen Sie die Versicherung meiner besonderen Hochachtung

    FM.

    [am linken Rand:] Den Aufsatz «Nochmals ein offenes Wort» erbitte ich mir wieder zurück, da dies das einizige Exemplar ist, welches ich noch besitze.

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    1) «Franz Moroder de Jan Matie zu Lenert», in: Edgar Moroder, Die Moroder - ein altladinisches Geschlecht in Gröden-Dolomiten, Sankt Ulrich 1980, S. 210-222, zit: E. Moroder. Vgl. auch E. Moroder: Franz Moroder zu Lenert (1847 - 1920), Handelsmann, Altbürgermeister, Heimatkundler, in: Ladinia 11 (1978), S. 127 - 136.

    2) E. Moroder, S. 210.

    3) E. Moroder, S. 217.

    4) E. Moroder, S. 221,

    5) Alfred Piech, «Die ladinische Frage», in: Deutsch-Österreich, 1. Jahrgang, Heft 48, 1913, S. 1141-1148.

    6) Kopie des Briefes im Istitut Ladin «Micurá de Rü».

    7) Eine Kopie des Briefes wurde mir freundlicherweise von Herrn Alex Moroder, St. Ulrich, zu Verfügung gestellt.

    8) Zit. nach E. Moroder, S. 222.

    9) Offensichtliche Schreibfehler sind stillschweigend korrigiert.

    10) « 1900 werden für Enneberg 5178, Eves [Fassa] 4168, Hayden (Ampezzo) 2920, Buchenstein 2790 und Gröden=Kastelruth 3729 Ladiner angegeben, zusammen also 18.785.»

    11) «Ein wichtiges Kapitel sind die Beziehungen der Ladiner zum Deutschtum und hier in erster Linie zur deutschen Sprache. Es muß da vorausgeschickt werden, daß natürlich die Italianisierung des Ladinertums nicht solche Fortschritte hätte machen können, wenn neben der Erschlaffung des nationalen Bewußtseins sich im Ladinertum nicht Renegaten gefunden hätten, die bereit waren, an der Verwelschung ihres Volkes tätig mitzuarbeiten. Von diesen Renegaten haben es viele recht weit gebracht, so ist der wegen seiner radikalen italienischnationalen Gesinnung und deren rückhaltloser, um nicht zu sagen rücksichtsloser, Betätigung vielgenannte Fürstbischof von Trient, Doktor E n d r i z z i, ein geborener Ladiner. [Arm. d. Red.: Gröden gehörte damals zur Diözese Trient.] Eifrig wird im Trien ter fürstbischöflichen Palais daran gearbeitet, die ladinische Bevölkerung nur mit italienischen Seelsorgern zu versehen und da es unter den italienischen Geistlichen - zum großen Unterschiede von den deutschen, auch in Tirol - wohl keinen einzigen gibt, der nicht durch und durch national gesinnt wäre, so ist es eine selbstverständliche Sache, daß diese Geistlichen trachten, ihrer Sprache unter den Ladinern die möglichste Geltung zu verschaffen. Wo es nur irgend angeht, wird also die italienische Sprache in der Kirche bevorzugt und die geschickte Taktik der geistlichen Herren in Trient bringt es zuwege, daß auch in der deutschen Brixner Diözese, so weit sie ladinisches Gebiet umfaßt, ausschließlich «gutgesinnte» italienische Geistliche verwendet werden. Ähnlich steht es um die ladinische Sprache in der Schule und bei den Ämtern, überall erfreut sich das Italienische einer Bevorzugung, die mit einer rücksichtslosen Unterdrückung des Ladinertums zu Gunsten der Italiener vielfach verzweifelte Aehnlichkeit besitzt».

    12) «Nicht einmal zur richtigen Beherrschung der deutschen Sprache genügt die hiesige Volksschule, trotz der nunmehrigen obligatorischen Unterrichtsprache; die Volksschule allein genügt zu diesem Zwecke nicht einmal in ganz deutschen Orten und Städten».

    13) «Nicht einmal zur richtigen Beherrschung der deutschen Sprache genügt die hiesige Volksschule».

    14)«Derselbe italienischfreundliche Grödner, der die eben zitierten Auslassungen über die Bedeutung des Deutschen für die Ladiner «verbrechen» hat, verlangt in derselben Flugschrift, daß italienische Lesestunden eingeführt werden und daß der Religionsunterricht mit dem italienischen Katechismus und der italienischen Bibel erteilt werde. Woher da der Wind bläst, ist unschwer zu erraten. Dieselben Leute aber, welche sagen, daß die ladinischen Kinder kaum die deutsche Sprache erlernen können, verlangen, daß sie noch eine d r i t t e S p r a c h e, das Italienische erlernen. Der geheime Hintergedanke ist wohl der, daß dann mit der Zeit das Deutsche langsam ganz in den Hintergrund gedrängt und schließlich überhaupt zum Verschwinden gebracht werden könnte».

    15) Warnung 1906

    - Nochmals ein offenes Wort 1906

    - Das Deutschtum in Gröden 1911

    - Der Religionsunterricht in Gröden 1912.

     

    Franz Moroder in Wikipedia

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